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Zeugenvernehmung Stefan H. vom 30.11.2011 (GZ 2.699 606/1 II/BK/31o55).

POLIZEI

Sicherheitsbehörde:

GZ: 2 699606/1-II/BK/31O55                                       Wien, am 30. November 2011

Bearbeiter/in: LEINGRUBER GERNOT

Telefon: +43-1-24836-85704

E-Mail: GERNOT. LEINGRUBER@POLIZEI.GV.AT

Zeugenvernehmung

Betreff: Verd.d. schweren Betruges

Ort der Vernehmung:

PI Ravelsbach, 3720 Ravelsbach, Bahnstr. 39

Beginn der Vernehmung:

30.11.2011, um 13.45 Uhr

Leiter/in der Amtshandlung/Vernehmung:

Leingruber, Bl

Sprache:

DeutschDolmetsch erforderlich:jNein

Sonst, anwesende Personen:

Bl. KREULITSCH

 

Person gibt über die persönlichen Verhältnisse an:

 


 

Status:

Zeuge

Familienname/n:

H.

Familienname/n z.Zt.d. Geburt:

 

Geschlecht:

männlich

Vorname/n:

Stefan

Akad. Grad / Titel:

 

Tag, Monat, Jahr der Geburt:

 

Ort, Bezirk, Land der Geburt:

 

Staat:

 

Staatsangehörigkeit:

 

a j Straße, Hausnr., Stiege, Tür:

 

1 Postleitzahl, Ort, Bezirk:

 

1 J Staat:

 

Telefonnummer/n:

 

eMail-Adresse/n:

 

Beruf / Erwerbstätigkeit/en:

 

Verhältnis z. Beschuldigten:

keines

 

Belehrungen / Hinweise / Erklärungen:

 


 



 

Nach erfolgten Belehrungen gebe ich folgendes freiwillig an: Ich wurde über den Grund meiner Einvernahme vertraut gemacht.

Zur meiner Person möchte ich sagen, dass ich am 30.8.2010 von meiner Hausärztin Dr. V auf Grund von Atembeschwerden zum Lungenröntgen geschickt wurde, im Zuge der weiteren Untersuchungen wurde bei mir ein Lungentumor in der Größe von zirka 7,5 cm Durchmesser festgestellt. Weiters wurden Metastasen im Rippenfell, in der Leberpforte, im rechten Lungenflügel sowie in den Lymphen festgestellt. Es erfolgten mehrere Untersuchungen wobei jedoch von den Ärzten die Diagnose gestellt wurde, dass meine Krebserkrankung auf Grund der Ausbreitung der Metastasen nicht operabel ist. Diese Diagnose wurde im LKH-Krems, Primär Dr. E gestellt.

Seitens des Krankenhauses wurde mir dringend eine Chemotherapie empfohlen. Da ich mich jedoch nicht unter Druck setzen lassen wollte, habe ich mir eine „Nachdenkphase" genommen und habe bis zur Einholung weiterer Befunde keine medizinische Behandlung gemacht.

Zirka 2 Wochen später, so rund um den 20, September 2010 wollte ich mir eine zweite Meinung eines Arztes einholen und habe mich an das Krankenhaus Baumgartner Höhe gewandt. Dort habe ich meine Befunde vom LKH - Kremsdem Arzt Dr. M vorgelegt. Da noch ein Genmutationsbefund ausständig war wurde mir von diesem angeraten D Befund abzuwarten und bei einem bestimmten Ergebnis eher eine andere Behandlungsform, eine Tablettentherapie, durchzuführen.

Zwischenzeitlich habe ich eine neuerliche Röntgenuntersuchung gemacht, worauf es den Anschein hatte, dass der Tumor kleiner geworden wäre. Dieses Ergebnis war auch der Grund weshalb ich weiterhin eine Chemotherapie ablehnte.

Diese Diagnose bestätigte sich bei einer Computertomographie, welche б Monate später gemacht wurde, nicht. Eine Verschlechterung konnte ebenfalls nicht eindeutig festgestellt werden.

Von meinen Ärzten wurde mir mitgeteilt, dass ich einen sehr aggressiven Tumor habe. Angaben über etwaige Lebenserwartungen wurde mir jedoch von keinem Arzt mitgeteilt.

Aufgrund meiner Erkrankungen wurden mir von allen meinen Freunden verschiedenste alternative Behandlungsformen empfohlen. Alle diese Behandlungsformen wurden von mir notiert und in einen Art Wäschekorb gesammelt und ausgewertet. Unter D Behandlungsformen war auch der Hinweis auf UKRAIN. Über 3 Ecken habe ich dann von Bekannten gehört, dass sich eine Tschechische Bekannte namens Katja, welche aus der Ukraine stammt, UKRAIN verwendet hat. Sie lebte in Brünn und war an Brustkrebs erkrankt, woran sie auch im März 2011 verstarb.

Ich habe dann bezüglich UKRAIN im Internet gegooglet und bin auf die Homepage von NOWICKY Pharma des Dr. Nowicky gestoßen. Ich habe dort in der Firma angerufen. Da ich ein persönliches Gespräch mit Dr. Nowicky haben wollte, teilte mir eine Dame am Telefon mit, dass dieser erst in einer Woche wieder in Wien wäre. Am 14.2.2011 habe ich dann neuerlich in der Firma NOWICKY angerufen und es wurde ein persönliches Gespräch vereinbart. Noch am selben Tag fuhr ich nach Wien in die Margareten Straße und wurde dort von Dr. NOWICKY persönlich empfangen.

Beim ersten Treffen gab es ein Vieraugengespräch und ich wollte mich über das Mittel informieren. Ich habe ihm auch die Befunde gezeigt. Als ich ihm das Röntgenbild und die übrigen ärztlichen Befunde gezeigt habe, hat er mir sofort mitgeteilt, dass er kein Arzt ist, sondern ein anderes Studium absolviert hat. Meiner Erinnerung zu Folge hat er glaublich gesagt, dass er Naturwissenschaftler sei.

Zu diesem Gespräch hat er nun einen Arzt gerufen. Der Arzt war in der Firma aufhältig. Befähigungen wurden mir nicht gezeigt. Ich habe allerdings keine Verlangt. Dr. NOWICKY und der Arzt hatten sich neben mir in einer anderen Sprache unterhalten. Ich glaube, dass es sich dabei umeine russische Sprache gehandelt hatte. Der Arzt selbst hat mit mir nicht gesprochen.

Dr. NOWICKY hat mir selbst gesagt, dass ich eine äußerst aggressive Form des Lungenkrebs hätte. Dies war jedoch für mich nichts Neues und war es auch seine gesamte Interpretation meiner Krankheit.

Dieses Informationsgespräch hatte insgesamt ca. eine Stunde gedauert. Dabei dauerte ein großer Teil des Gespräches über das Medikament UKRAIN selbst.

Wenn ich gefragt werde, ob ich im Zuge des Gespräches bereits eine Probe des Medikamentes erhalten habe, gebe ich an, dass ich mich nur mehr daran erinnern kann, dass ich noch am gleichen Tag, also am 14.02.2011, 8 Ampullen UKRAIN gekauft habe. Ich weiß lediglich genau, dass Dr. NOWICKY sehr „happig" darauf war, dass er ohne Rezept kein Medikament hergeben würde.

Meiner Erinnerung zu Folge wollte ich so schnell wie möglich das Medikament kaufen. Im Zuge des Gespräches teilte mir Dr. NOWICKY auch mit, dass viele seiner Kunden zu einem Arzt im 1. Bezirk gehen und dort das Rezept für das Medikament erhalten. Mir wurde mitgeteilt, dass es sich dabei um Dr. T handelt, der in 1010 Wien, seine Ordination hat. Ich bin noch am gleichen Tag zu diesem Arzt gegangen. Das Voraviso über meine Kontaktierung wurde von Dr. NOWICKY hergestellt.

Als ich dort bei dem Arzt angekommen bin, ging es eigentlich relativ schnell mit der Ausstellung des Rezeptes.

Da seine Behandlungszimmer zu diesem Zeitpunkt alle besetzt waren, musste ich nicht einmal selbst in das Behandlungszimmer des Dr. T. D habe ich kurz im Wartezimmer getroffen und es wurde mir auch gleich das benötigte Rezept für 50Stück UKRAIN ausgestellt. Befunde wurden keine Verlangt. Offenbar wurde meine Krankheit bereits im Vorfeld telefonisch mit Dr. NOWICKY abgesprochen. Ich habe das Telefonat, wo ich angekündigt wurde, nicht verstanden, da auch dieses Gespräch in einer Fremdsprache, vermutlich ebenfalls in einer russischen Sprache, durchgeführt wurde.

Ich kann mich dann nicht mehr genau erinnern, ob ich dann nochmals zu Dr. NOWICKY gegangen bin, um die Medikamente zu holen oder ob ich bereits zuvor die 8 Stück UKRAIN erhalten hatte und lediglich das Rezept nachträglich geholt habe.

Da ich an diesem Tag nicht so viel Geld mit hatte und meinen Behebungsrahmen vom Bankomat ausschöpfte, konnte ich nur 8 Ampullen zu je 77 Euro incl. Mehrwertsteuer kaufen. Erst am nächsten Tag habe ich die ausstehenden 42 Ampullen zum angeführten Preis nachkaufen.

Ich möchte aber zu diesem Beratungsgespräch weiters anführen, dass ich bei Dr. NOWICKY in der Firma ein Ampulle UKRAIN inhalieren musste. Dabei wollte er nachschauen und prüfen, ob ich irgend eine Reaktion auf das Medikament zeige. Sollte ich keine Reaktion zeigen, wollte er mir keine Ampullen verkaufen. Bei dieser Verabreichung von UKRAIN war der umseitig genannte Arzt, der von Dr. NOWICKY zum Beratungsgespräch geholt wurde, dabei. Bei dieser Inhalation wurde mir ein Ultraschall - Inhalator zu Verfügung gestellt Der Inhalt der Ampulle wurde in das Gerät gefüllt. Das Gerät erzeugt einen kalten Dampf und dieser wurde von mir eingeatmet. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob Dr. NOWICKY oder dieser Arzt das Gerät mit dieser 5 ml - Ampulle befüllt hatte.

Als Reaktion auf diese Inhalation merkte ich ein Ziehen und Kribbeln im Tumorbereich. Ich habe eindeutig eine Reaktion gespürt. Ich musste dann die gefühlten bzw. gespürten Reaktionen beschreiben, worauf sich Dr. NOWICKY und dieser Arzt in dieser fremden Sprache zusammengesprochen haben.

Nach diesem Versuch bin ich dann, wie bereits angeführt, zu diesem Dr. T um Ausstellung des Rezeptes gegangen.

Anmerken möchte ich auch, dass ich das Inhalationsgerät um ca. 100 Euro von Dr. NOWICKY erworben hatte. Dies war kein offizielles Verkaufsstück, denn er sagte mir, dass er normal die Patienten diesbezüglich in die Apotheke schicke.

Erst nach einem Telefonat mit einer mir unbekannten Person hat er mir das Gerät zu dem angeführten Preis verkauft.

Wenn ich gefragt werde, von wem ich hinsichtlich der Menge, die ich einzunehmen habe, eingestuft wurde, zumal ich vom Aussteller des Rezeptes, Dr. T, nicht untersucht wurde, gebe ich folgendes an:

Ich wurde weder von Dr. T noch von Dr. NOWICKY noch von dessen Firmenarzt eingestuft. Dr. NOWICKY hat mir, nachdem ich gefragt hatte, mitgeteilt, dass erfahrungsgemäß, damit meinte er, wie andere Patienten laut seinen Angaben erfolgreich behandelt wurden, eine Einnahme von 1-2 Ampullen am Tag am Besten geeignet wären. Die genaue Menge müsste aber von mir erprobt werden, so, wie es mir am Besten bekommt.

Bezüglich der Art der Einnahme des Medikamentes UKRAIN gab Dr. NOWICKY an, dass es verschiedene Arten von Aufnahmen durch den Körper gebe. Mir wurde mitgeteilt, dass ich UKRAIN inhalieren könnte oder auch oral oder rektal einnehmen könnte. Er teilte mir auch mit, dass ich das Mittel spritzen könnte. Er teilte mir mit, dass die Wirkung jedes Mal etwas anders wäre.

Diesbezüglich wollte ich mich auch von meiner Hausärztin beraten lassen. Es stellte sich aber heraus, dass meine Hauärztin, Frau Dr. V,dieses Medikament nach durchgeführter Informationssammlung komplett ablehnte und mir auch unmissverständlich mitteilte, dass es sich bei Dr. NOWICKY ihrer Meinung nach um einen Betrüger handelt.

Nach Erwerb der Ampullen habe ich vorerst ein paar Stück probiert. Richtig ernsthaft eingenommen habe ich UKRAIN von Anfang April bis ca. Mitte Mai 2011. Die gekauften 50 Ampullen habe ich aufgebraucht. Ob ich danach noch einmal UKRAIN gekauft habe, weiß ich leider nicht mehr so genau. Ich bin mir aber fast sicher, dass ich nochmals 10 oder 20 Ampullen nachgekauft habe. Ich bin mir deswegen fast sicher, weil ich einmal nachgefragt habe, ob ich ein weiteres Rezept benötige und wurde mir damals von Dr. NOWICKY mitgeteilt, dass dies nicht erforderlich wäre. Eine Rechnung dafür habe ich nicht.

Wenn ich nochmals gefragt werde, ob ich nach der Rezeptausstellung durch Dr. T jemals von diesem aufgefordert wurde, nochmals zwecks Untersuchung bei ihm zu erscheinen oder meine Befunde nachzureichen bzw. vorbeizubringen, so gebe ich an, dass der 14.02.2011 der einzige und letzte Besuch bei diesem Arzt war, bei dem es um das Medikament UKRAIN gegangen ist. Ich muss angeben, dass T selbst eine Ozonbehandlung für das Allgemeinbefinden anbietet. Diese habe ich auch in Anspruch genommen. Bei dieser Gelegenheit hatte er auch meine Befunde eingesehen.

Dazu muss ich auch angeben, dass meine UKRAIN -Behandlung zu diesem Zeitpunkt bereits im Gange war.

Wenn ich nun gefragt werde, wie ich diese 60 - 70 Ampuilen-Kur zu mir genommen habe, gebe ich an, dass ich das Medikament rektal, oral und auch über die Atemwege aufgenommen habe. Die Art der Einnahme habe ich nach eigenem Empfinden durchgeführt.

Im Laufe der Behandlung wurde ich täglich, sofern NOWICKY in Österreich war, von diesem telefonisch kontaktiert. Er erkundigte sich über meinen gesundheitlichen Zustand und wollte immer wissen, ob sich durch die Behandlung durch UKRAIN etwas an meinem Zustand verbessert hätte.

Ich habe ihm immer mitgeteilt, wie ich das Medikament einnehme und habe ihm auch immer meine erlebten Reaktionen mitgeteilt.

Dabei hat Dr. NOWICKY mich daran erinnert, dass ich das Medikament UKRAIN über die Atemwege in Form einer Inhalation einnehmen sollte.

Anmerken möchte ich auch noch, dass aufgrund meiner heftigen und andauernden Bitten meine Hausärztin von mir dazu überredet werden konnte, mir 4 Ampullen in den Lungenraum zu spritzen.

Das muss man sich so vorstellen, dass der rechte Lungenflügel aufgrund von Wasseransammlungen verkleinert ist. Das Wasser wurde von meiner Hausärztin regelmäßig abgepumpt. Man nennt D Vorgang auch „Punktieren". In D Raum wurde mir danach das UKRAIN gespritzt. Dies war ca. im April oder Mai 2011. Seither, und das möchte ich auch angeben, habe ich nie mehr Wasser aus dem Lungenraum abpumpen müssen.

Dass man das Mittel UKRAIN in D, freiwerdendem Raum, spritzen könnte, wurde mir von Dr. NOWICKY mitgeteilt. Ich habe dies meiner Ärztin mitgeteilt und wie gesagt, nach längerem Drängen und Bitten, wurde mir von ihr das Mittel mittels Spritze verabreicht.

Während der Behandlung mit UKRAIN und auch noch bis heute habe noch keine schulmedizinische Behandlung in Anspruch genommen, weil sich mein Zustand für mich nicht verschlechtert hat und meine Lebensqualität für mich gleichbleibend akzeptierbar ist. Derzeit behandelt mich meine Ärztin mit Naturheilmitteln, wie zum Beispiel mit Walnussöl.

Durch die Behandlung mit UKRAIN kann ich hinsichtlich des Behandlungserfolges nicht wirklich etwas angeben. Ich kann sagen, dass verschiedene Ärzte dazu unterschiedliche Angaben machen. Auf dem Röntgenbild hat sich nämlich mein Tumor augenscheinlich leicht vergrößert. Dazu meinen einige Ärzte, dass er sich tatsächlich vergrößert hat, andere glauben, dass sich um den Tumor entzündliche Infiltrate gebildet haben, die den Tumor vergrößert erscheinen lassen.

Wenn ich nun gefragt werde, welche Ärzte den Standpunkt vertreten, dass sich der Tumor nicht vergrößert hat, sondern lediglich mit entzündlichen Infiltraten belegt ist, so gebe ich an, dass diese These nur von Dr. T aufgestellt wurde. Er hat auch gesagt, dass man die Größe des Tumors auf Grund der umliegenden Infiltrate nicht genau feststellen kann. Diese Befundauswertung von Dr. T habe ich von ihm nicht schriftlich.

Abschließend werde ich von den einvernehmenden Beamten gefragt, ob ich einer Befragung meiner Hausärztin, Dr. V Judith, über meine Krankengeschichte zustimme. Dazu gebe ich an, dass ich keine Einwände gegen diese Befragung habe und ihr zustimme.

Ich hatte die Möglichkeit, diese Vernehmung Seite für Seite durchzulesen, bzw. durchlesen zu lassen. Ich hatte die Möglichkeit, Korrekturen vornehmen zu lassen. Ich habe keine Änderungen vorgenommen.

Ende der Vernehmung: 16.20 Uhr

vernehmende Exekutivbeamte:                                        vernommene Person:

LEINGRUBER Gernot

KREULITSCH Markus                                             Stefan H.