Skip to main content

Analyse der Publikation Panzer et al, 2000

Analyse der Publikation

„Ukrain TM, a semisynthetic Chelidonium majus alkaloid derivative, acts by inhibition of tubulin polymerization in normal and malignant cell lines”
A. Panzer, E. Hamel, A.M. Joubert, P.C. Bianchi, J.C. Seegers.
Cancer Letters, 60 (2000) 149-157

Obwohl diese Publikation wirklich interessante Einsichte gebracht hat, ist sie nicht frei von einigen methodischen Mangeln.
Die Auswahl der Zelllinien war nicht ideal. Keine passende normale Zelllinie wurde im Experiment verwendet – bei der 1998 in der Studie verwendeten Zelllinie der Pferdelunge hat Ukrain auch in der höchsten Konzentration keine toxische Effekte bewirkt.
Andererseits, die transformierte Affennierenzelllinie Vero ist kein gutes Model für das Testen eines Antikrebsmittels. Genexpressionprofile unterscheiden sich bei Krebszellen und transformierten Zellen. Die Färbung mit Haematoxylin-Eosin eignet sich nur beschränkt für die Zellphasenanalyse und erlaubt keine schlüssige Folgerungen. Die Autoren haben aber noch was wichtigeres übersehen. Aus den Grafiken der Flüssigkeitszytometrie ist klar zu sehen, dass sich die Zellen nach der Behandlung mit Ukrain nicht nur in der mitotischen Phase einreichen – ein beträchtlicher Teil unterläuft Apoptose: der Verschiebung nach links, in die <1n DNA-Zone deutet auf die DNA-Degradation hin. Das ist insbesondere für die Linie HELA nach der 48 Stunden Inkubation bei 12,5 mkg/ml gilt, und etwas weniger – bei der Linie WHCO5. Somit ist wahrscheinlich, dass die betroffenen (oder die meisten) Zellen absterben. Die arretierten Zellen in anderen Linien werden vielleicht auch sterben, nicht unbedingt in derselben M-Phase, aber wenn sie im nexten Zyklus zur Phase G0/1 kommen, auch wenn Ukrain im Medium nicht mehr vorhanden ist. Daher sollte die Diskussion in eine etwas andere Richtung gehen. Natürlich sollten die Konzentration und die Dauer der Inkubation so optimiert werden, dass 100% der Krebszellen absterben, dies kann aber von der Linie bzw. Gewebe bzw. Patient abhängig sein. Das Beispiel mit HeLa-Zellen ist wirklich gut, leider haben die Autoren es nicht richtig interpretiert – es ging nicht um die mitotische Arretierung sondern um Apoptose. Der Dosisbereich könnte mehr stufenartig verteilt werden, besonders um den Punkt, wo die Akkumulierung in G2M-Phase beginnt (10-12 mkg/ml). Außerdem, so hohe Dosen wie 50 mkg/ml werden in vivo nie verabreicht, daher war ihre Anwendung in dieser Studie nicht sehr sinnvoll. Als Schlußfolgerung kann festgehalten werden, dass die methodischen Mängel sowie nicht einwandfreie Interpretation der Daten den Wert der Studie etwas herabsetzen. Die Tatsache, dass die Wirkung des Präparates reversibel ist, sollte ehe positiv gewertet werden. Um in der Sache Klarheit zu schaffen, der Experiment sollte mit derselben Zelllinien wiederholt werden – natürlich alle Kommentare berücksichtigt.