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Was ist Gott?

Schon zur Urzeit haben die Menschen gespürt, dass irgendeine Kraft zwischen ihnen und der greifbaren Umgebung vorhanden ist. Man konnte diese Kraft nicht verstehen und erklären – so sind aus Angst vor dem Unbekannten die Religionen entstanden. Die Religionen haben einen sehr starken Impuls für die kulturelle Entwicklung der Menschheit gegeben. Wir kennen keine Kultur ohne Religion, der Mensch hat die Religion erfunden, die Religion hat die ganze Entwicklung der Menschheit geprägt. Es gibt verschiedene Religionen, verschiedene Kulturen, obwohl sie sich unterscheiden, haben sie etwas Gemeinsames: Danksagung an den Schöpfer für die Schöpfung.

In der hinduistischen Religion, in der es Millionen Götter gibt, heißt es – zu wem auch immer du betest, am Ende betest du zu mir.
In der jüdischen Religion heißt es: Niemand hat Gott gesehen, daher kann ihn niemand abbilden.
Buddha sagt: Alles was ist, entstammt dem Geist, es beruht auf Geist und wird durch Geist geformt.
In christlichen Religionen heißt es – wir sind alle Gottes Kinder.
Bei den Muslimen heißt es – Gott ist nicht geboren und kann nicht gebären.

Alle diese Deutungen weisen auf die Existenz einer Energie hin. Das Vorhandensein der Ur-Energie ist unbestritten. Ein Teil dieser Ur-Energie befindet sich in allem, was im Kosmos existiert, auch in uns Menschen. Geist ist ebenfalls ein Teil von schöpferischer Energie. Es ist bereits allgemein bekannt, dass der menschliche Körper beim Sterben 21 Gramm an Gewicht verliert. Man könnte annehmen, dass es sich hierbei um die Lebensenergie handelt, welche wir Seele nennen. Hier finden wir auch die Antwort auf die Frage: Was ist der Sinn der Schöpfung? Millionen Jahre existiert Leben auf der Erde, aus einer einzigen Zelle hat es sich entwickelt bis hin zur höchsten Entwicklungsstufe, dem Menschen. Wir tragen diese Schöpfungsenergie in uns. Durch unsere kreative Möglichkeit stellen wir den Sinn seiner Schöpfung dar.

Die Schöpfung im Garten Gottes hat nicht nur Rosen hervorgebracht, sondern viele verschiedene Blumen geschaffen. Diese Vielfalt stellt eine immense Bereicherung und Freude für die Menschheit dar. Wenn man an die von Menschen zu Ehren Gottes erbauten Kirchen, Pagoden Synagogen, Moscheen Tempel Statuen, Ikonen usw. denkt, erkennt man dass die Vielfalt der Religionen ebenfalls Bereicherung und Freude bedeutet und dass gerade die Verschiedenheit gleichzeitig Anstoß zur Weiterentwicklung darstellt. Gäbe es nur eine einzige Religion würde dies Stillstand bedeuten wie dies 3.000 Jahre in Ägypten der Fall war.

Gott hat uns nicht nur Schöpfungsenergie, sondern auch die Freiheit gegeben, diese richtig einzusetzen. In der christlichen Religion wird ausdrücklich auf den freien Willen der Menschen hingewiesen. Wir können Häuser, Kirchen, Fabriken errichten, Bäume pflanzen. Leider kann der Mensch die ihm gegebene Energie nicht nur in Gutes, sondern auch in Schlechtes umsetzen. Für Gott ist unwichtig, welche Religion der Mensch praktiziert, der Mensch wird nicht nach seinem Glauben, sondern nach seinen Taten angenommen. Ich wiederhole die Grundphilosophie der hinduistischen Religion: „Zu wem auch immer du betest, am Ende betest du zu mir“. Die Philosophie vereinigt uns, sie passt zu jeder Religion. Bemerkenswert ist, dass in jeder Religion jene Menschen als Heilige verehrt werden, die in ihrem Leben etwas Gutes für die anderen getan haben. Wir alle sollten versuchen, tolerant gegenüber unseren Mitbürgern sowie gegenüber anderen Religionen zu sein, denn schließlich führen alle Wege zu einem einzigen Gott. Gutes wie Schlechtes fällt wieder auf die Menschheit zurück. Alle Religionsstifter haben versucht, mit Hilfe der Religion die Menschen zu motivieren, nur Gutes zu tun. So heißt es z.B. bei Zarathustra: Gutes denken, Gutes Reden und Gutes tun. Die taoistische Religion bemüht sich, die Menschen zu lehren, gesund zu leben, um mehr Freude am Leben zu haben.

Die Gründer jeder großen Religion haben häufig betont, das wichtigste für Gott sei Liebe. Liebe ist immer Toleranz. Machtgier ist Intoleranz.
Intoleranz führt zu Fanatismus und bereitet den Boden für Vernichtung und führt immer zu beiderseitiger Auslöschung wirtschaftlicher und geistiger Errungenschaften. Toleranz ist nicht nur die stärkste Kraft für Frieden, sondern bedeutet auch Bereicherung und Schöpfung von Freude und Entwicklung.
Christus hat nicht umsonst die Trennung von Staat und Kirche gefordert: „ Gebt dem Kaiser, was des Kaiser ist und Gott, was Gottes ist.“

Religionen, welche Intoleranz fordern, sind die größten Feinde der Schöpfungsidee und der Schöpfungsenergie und damit auch von Gott, denn sie bringen nur Schaden für die Gesellschaft sowie auch für die menschliche Entwicklung

Die Religionsgründer sowie auch deren karitative Nachfolger haben immer Toleranz gefordert. Als Christus gefragt wurde, was mit Andersgläubigen nach dem Tode geschieht, antwortete er: „Glaubst du und Dein Glaube wir dich retten.“
Mohammed hat gefordert, dass Moslems und Christen in einer Kirche beten-
Diese Praxis wird bis heute in Damaskus so gehandhabt.
Gandhi sagte: Wenn du ein Hindu bist und du nimmst ein Waisenkind von Moslems auf, musst du es als Moslem aufziehen.

Durch die ihm gegebene Energie könnte der Mensch das Paradies oder Hölle auf Erden schaffen. Wenn man an den uralten Glauben an die Wiedergeburt anschließt, ist es leicht zu verstehen, dass die Teilenergie Mensch nach seinem Tode in die Ur-Energie zurückfließt, um dann in neue Teilenergie umgewandelt, das heißt wiedergeboren zu werden. Man weiß nicht, in welchem Teil der Erde dies sein wird. Anders gesagt: heute bist du Präsident der USA, und morgen wirst du im Irak geboren… Daher muss der Mensch bei Lebzeiten dafür Sorge tragen, dass auf unserem ganzen Planeten gute Lebensbedingungen herrschen. Nur so kann er sicher sein, in ein Paradies wiedergeboren zu werden.

Je nach den Kenntnissen drückten die Religionen ihren Dank auf ihre Weise aus. Daher gibt es keine Religion erster oder zweiter Klasse sowie es auch kein ausgewähltes Volk gibt, alle Menschen sind Kinder der Schöpfung mit gleichen Rechten. Als Grundsatz gilt: „Glaubst Du, Dein Glaube wird Dich retten.“ Auf Grund seiner Taten erkennt man, wie der Mensch die ihm gegebene schöpferische Energie verwendet. Die Ausgrenzung eines Volkes oder einer Religion bedeutet Krieg, wie wir ihn und seine Folgen in der Geschichte oft erlebt haben. Es ist absolut paradox, Kriege zu führen und Leben zu vernichten im Namen dessen, der das Leben erschaffen hat.

Über die Verschiedenheit sollte man sich also freuen und den Andersgläubigen gegenüber tolerant sein. Wahrscheinlich liegt es im Sinne von Gott, dass sich die verschiedenen Religionen gegenseitig befruchten.

Wahrscheinlich liegt es im göttlichen Sinn, dass die drei Religionen eine heilige Stadt haben, nämlich Jerusalem. Dadurch möchte wahrscheinlich die Schöpfungsenergie zeigen, dass alle Religionen gleiche Recht und gleiche Pflichten haben und auch gleichen Respekt verdienen. Jede von ihnen könnte von den anderen Religionen etwas Gutes übernehmen. Toleranz in Religion hat immer Frieden und Entwicklung gefördert, Intoleranz führte immer wieder zu Glaubenskriegen und damit zur Zerstörung. Die Religionsgründer haben immer Toleranz gepredigt, erst ihre Nachfolger haben aus Machtgier mit ihrer Intoleranz großen Schaden angerichtet.

Energie entsteht und verschwindet nicht, sie ist ewig, sie kann nur ihre Form ändern, das heißt sie kann umgewandelt, gebündelt oder aufgeteilt werden. Energie ist nicht sichtbar, aber wir spüren sie. Gott ist ebenfalls nicht sichtbar, aber wir Menschen spüren ihn.

Die fernöstlichen Religionen sind am nächsten zur Verständnis Gottes als alles umfassende Energie. Sogar in den Ritualen vereinigen sich die innere Welt eines Menschen und die kosmische Energie. Das liegt den meditativen Praktiken zugrunde. Interessant ist, dass die fernöstlichen Religionen die anderen Glaubenslehren am meisten tolerieren.

Man erzählt auch folgende Geschichte: Ein Bauer sagt zu einem Priester „Ich gebe dir eine Münze und du zeigst mir, wo Gott ist.“ Der Priester antwortet „Ich gebe dir zwei Münzen und du zeigst mir, wo es keinen Gott gibt.“

Dr. Wassil Nowicky

10.11.2008